Unser lieber AH Josef Bieri v/o Sattel ist am 27. Februar 2026 verstorben.
Der Abschiedsgottesdienst mit anschliessender Urnenbeisetzunge wird findet am 19. März 2026, 09:00 Uhr, in der Kirche St. Jakob in Cham statt.
Nekrolog
Eine beeindruckend grosse Trauergemeinde nahm am Josefstag in der St. Jakobskirche in Cham Abschied vom Tierarzt Josef Bieri. Josef Bieri v/o Sattel ist am 27 Februar nach kurzem Spitalaufenthalt an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Als erstes von neun Kindern war er am 21. August 1936 auf einem abgelegenen Kleinbauernbetrieb im Napfgebiet in der Gemeinde Escholzmatt zur Welt gekommen. Der tägliche Schulweg hinunter ins Dorf dauerte annähernd eine Stunde; bergab ging’s schneller, bergauf brauchte man dann etwas mehr Zeit.
Den Einstieg ins Gymnasium machte der begabte Schüler im Studienheim St. Klemens in Ebikon, die Matura dann 1958 bei den Benediktinern in Altdorf. Dort trat er der Mittelschulverbindung Rusana bei und erhielt den Vulgo Stiefel; ob sich dieser vom Schuhwerk ableitete, das ja dann zum späteren «Outfit» des angehenden Tierarztes gehören sollte, oder wohl eher vom Umgang mit einem entsprechend geformten Trinkgefäss herrührte, bleibt sein Geheimnis.
Im Wintersemester 1958/59 immatrikulierte er sich an der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Bern und trat der Burgundia bei; sein Vulgo mutierte bei den Burgundern im Sinne
einer akademischen Höherstufung von «Stiefel» zu «Sattel».
Das Geld fürs Studium verdiente sich Sattel während der Semesterferien weitgehend selbst, zunächst als Arbeiter auf dem Bau, dann als Kontrolleur bei der Dampfschifffahrtsgesellschaft auf dem Vierwaldstättersee und später als Assistent in diversen Tierarztpraxen. Der Unterricht erfolgte damals noch im alten Tierspitalgebäude in der Inneren Enge. Die Zahl der Eingeschriebenen war mehr als überschaubar, Studentinnen der Tiermedizin im Gegensatz zu heute fast eine exotische Rarität.
So waren es denn vier Konsemester, die ihr Studium zusammen am 24. Februar 1964 mit dem Staatsexamen abschlossen. Diese Studienkollegen blieben einander fortan in einer lebenslangen Freundschaft verbunden; untereinander pflegten sie «ein fein Kollegium», zwar nicht zu dritt, wie es im schönen Lied besungen wird, wohl aber zu viert. Die legendäre «Viererbande» traf sich alljährlich zu einer meist mehrtägigen «Kulturreise», bei der Sattel noch im vergangenen Jahr mit dabei gewesen war.
Nach dem Studienabschluss verfasste Sattel seine 1966 erschienene Dissertation über ein Thema der Milchhygiene und konnte anschliessend als Assistent und Praxisvertreter an insgesamt 21 verschiedenen Orten, verteilt über die ganze Schweiz, berufliche Erfahrungen sammeln, darunter auch während zweier Winterhalbjahre in Birmensdorf, wo er seine spätere Gattin Trudi Wüst kennenlernte.
Im Juli 1967 übernahmen die beiden zusammen eine bereits bestehende Grosstierpraxis in Cham, heirateten dann im darauffolgenden Oktober und wurden in der Folge glückliche Eltern von je zwei Söhnen und Töchtern. Nach wenigen Jahren konnte die Familie in Hagendorn ihr eigenes wunderschönes Haus beziehen.
Die zahlreichen Assistentenstellen und Praxisvertretungen hatten Sattel zu einem versierten Nutztierpraktiker gemacht, der die anspruchsvolle Klientel der Zuger Braunviehzüchter auf ihren grossen Betrieben zur vollen Zufriedenheit bedienen konnte und der seinen Beruf mit grossem Engagement und auch mit Freude ausübte. Selbst hatte ich das Glück, dass ich 1974 nach meinem Staatsexamen während mehrerer Wochen als Praktikant bei ihm hospitieren durfte. Die dort gesammelten Erfahrungen, vor allem auch der Umgang mit den Tierhaltern, haben mir den anschliessenden Einstieg in meine erste Assistentenstelle wesentlich erleichtert. Mit seinem Entlebucher Dialekt, den er während all der Jahre nahezu unverfälscht beibehalten hatte, und seiner bedächtigen und ruhigen Art des Auftretens verband sich eine natürliche Autorität, die von den Bauern respektiert wurde, ohne dass es dazu vieler Worte bedurfte. Jede Art von Standesdünkel, wie ihn damals zum Teil ältere Kollegen noch pflegten, war ihm fremd.
Sein ruhiges und bedächtiges Wesen beeindruckte uns auch im Kreis der Burgundia: Sattel liebte die Geselligkeit, nahm, wenn immer möglich, an Verbindungsanlässen teil und besuchte auch regelmässig den regionalen StVer-Stamm. Er war eher der stille Geniesser, dem eine gediegene Corona mit ihren Anekdoten und mehr oder weniger geistreichen Voten mehr zusagte als der laute Komment- und Kommersbetrieb.
Diese Geselligkeit pflegte er auch ausserhalb des Couleurstudententums, so im Kreise der Waidmänner und Schützen, im Rotary Club Zug-Zugersee, zu dessen Gründungsmitgliedern er im Jahre 1986 gezählt hatte, und in der Offiziersgesellschaft, der er als einstiger Regiments-Pferdarzt im Majorsrang angehörte. Noch im Alter von 88 Jahren schoss er beim «Obligatorischen» mit der Pistole fünf Mal eine Zehn. Eine besondere Freude bereiteten ihm die Schwingfeste. Dem Schwingclub Cham-Ennetsee war er ein treues Mitglied; er reiste jeweils ganze zwei Tage an die grossen Schwingfeste.
Nach der Praxisaufgabe bezogen Trudi und Sattel eine schöne Wohnung in Cham, wo beide ihr wohlverdientes «otium cum dignitate» geniessen und sich an der quirligen Schar ihrer sechs Enkelkinder erfreuen durften. Nun hat Freund Hain angeklopft und ein reich erfülltes Tierarztleben hat sein Ende gefunden. Sit tibi terra levis!
Jürg Eitel v/o Schmär


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