Unser lieber AH Urban Kaiser v/o Tschiang ist am 27. Dezember 2025 verstorben.
Der Trauergottesdienst findet am Freitag, 2. Januar 2026, 14:30 Uhr, in der Collégiale von Romont statt.
Nekrolog
Tschiang liebte das Leben, seine Familie, das Verbindungsleben, den Wein, seine Pfeife, die Berge, den gepflegten Gesang und den Humor. Geboren wurde er im solothurnischen Biberist. Bemerkenswert bei Tschiangs Lebenslauf ist, dass er im Alter von drei Jahren bereits seinen Vater, Erhard Kaiser, verlor. Sein Vater verstarb im Aktivdienst zu Beginn des Zweiten Weltkrieges und hatte somit eine militärische Beerdigung. Im Alter von zehn Jahren musste Tschiang auch noch den Tod seiner Mutter verkraften.
Seine Schwester Ursula, damals 21 Jahre, übernahm die Rolle der Mutter; Tschiang nannte sie seine zweite Mutter. Sie wurde stark unterstützt von der Schwester Annemarie; Tschiang nannte sie seine dritte Mutter.
Seine Schwestern ermöglichten Tschiang den Zutritt zum Collège St. Michel in Freiburg, wo Tschiang im Internat seine Gymnasialzeit absolvierte. So lernte Tschiang schon sehr früh Eigenverantwortung und Selbstdisziplin. In den Wochenenden des Internats konnte er zu seiner vierten Herzensmutter Kläri gehen. Sie war die Frau seines Bruders Alois. Während der Gymnasialzeit trat er der ältesten Verbindung des Schw. StV bei, der GV Zähringia, bei welcher er fast zwanzig Jahre als AHP amtete.
Als er im Herbst 1956 in die Burgundia eintrat, war Gmür v/o Stop Senior und erneuerte den Burgunderkomment. Tschiang war damals frisch eingetretener Fuchse und ist auch irgendwo im damaligen Burgunderkomment verewigt. Vermutlich trinkt der Fuchse Tschiang dem Senior Stop eine Blume zu. Nach Abschluss seines Studiums als lic. rer. pol. dissertierte er in der Musenstadt Bern 1967 zum Thema «Die Wirtschaftspolitik im Schweizerischen Bundesstaat».
Bei den Burgundern war er später mehrere Jahre Präsident des Burgunderhauses. Als guter Ökonom arbeitete er lange bei Nestlé und dann viele Jahre in der Direktion der Condensateurs Fribourg SA als Finanzchef.
Tschiang lernte seine Frau Elisabeth an einem Burgunderball kennen. Die Heirat folgte 1965. Und Tschiang betitelte seine Schwiegermutter als seine fünfte Mutter. Er baute in Belfaux mit seiner Frau Elisabeth ein Haus, wo er das Familienleben mit Elisabeth und seinen zwei Töchtern Chantal und Astrid genoss. Diese schenkten ihm Enkelkinder: Noah, Nicolas, Manon und Julia. Tschiang verehrte und liebte seine Elisabeth, die im Jahr 2005 viel zu früh verstarb. Das setzte Tschiang zu, aber er zeigte es nicht nach aussen.
Einen weiteren Schicksalsschlag mussten Tschiang und insbesondere seine Tochter Chantal v/o Tschianna und sein Schwiegersohn Beat v/o Rasputin 18 Jahre später hinnehmen. Völlig unerwartet sackte ihr lebensfroher Sohn Nicolas in der Grenadiers-RS bei einem 2,5-Kilometer-Eilmarsch zusammen. Wieder ein Begräbnis mit militärischen Ehren. Tschiang fand den Halt im Leben im Glauben, in der Familie und im Freundeskreis des Couleurstudententums.
Bei den Burgundern lernte er seinen grossen Couleurfreund Georges Bärtschi v/o Schrube kennen. Als Schrube AHP der Alemannia war, wurde Tschiang 1975 am 80-jährigen Jubiläum als Ehrenphilister in die Alemannia aufgenommen. Wen wundert’s?
Am Stammtisch im Touring entstand auch im Jahr 1979 die Idee unter den drei Freunden Bärtschi v/o Schrube, Rohr v/o Pfiff und Kaiser v/o Tschiang, das Zentralfest in Sion zu Fuss anzumarschieren. Im Jahr 1986 gründete Schrube in Kippel, im Lötschental, den Orden der Wandernieren. Schrube war Ordensstifter und er setzte seine Freunde Rohr v/o Pfiff als «navigator maximus» (Oberseich) und Tschiang als «urethra» (Seichleiter) ein. Die von Ordensstifter Schrube verfassten Ordensregeln haben heute noch Bestand.
Zwei Punkte stechen bei den Ordensregeln speziell hervor: die Zwecklosigkeit und die Willkür der Ordensleitung. Schrube erkannte den hohen Wert der Zwecklosigkeit, weshalb er sie als heilig betitelte. So führte Tschiang, im Militär Oberleutnant der Infanterietruppen, die Wandernieren während 35 Jahren an die Zentralfeste des Schw. StV. Er übergab das Amt des Seichleiters 2014 an Diskus, der es dann 2019 an Agrar als zweiten Nachfolger von Tschiang übergab.
Ein weiteres Markenzeichen von Tschiang war sein zerdrückter Burgunder-Biedermeier. Ich kenne Tschiang nur mit diesem Mutz inkl. Pfeife. Tschiang brauchte wenig Schlaf, selten mehr als drei bis vier Stunden. Auch Napoleon hatte dieses Syndrom. In der Nacht las er viel. Bei den zahlreichen Lektüren erweiterte Tschiang seinen Horizont.
Die letzten drei Jahre lebte Tschiang in Romont, in der Nähe seiner Tochter Astrid. Er durfte die letzten Weihnachten noch im Kreise seiner Lieben erleben. Nun ist die Stimme von Tschiang verstummt. Eine ausserordentliche Persönlichkeit, gepaart mit einer wohltuenden Bescheidenheit, integer, religiös, aufrecht, sympathisch und mit einer menschlichen Kompetenz, die ihresgleichen sucht, hat den «ewigen Ordensmarsch» angetreten. Nun ist er bei seiner geliebten Elisabeth. Lieber Tschiang, Danke, dass wir Dich erleben durften.
Erich Schibli v/o Diskus, VCP


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